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praxisnah – 13.01.2011

Bauchgefühl

Ärztliche Tätigkeit ist heute, so scheint es, nur noch mit Leit- und Richtlinien, Scores und Kriterien möglich. Wissenschaftlich fundiert und evidenzbasiert muss es sein, nur so weist man die Qualität seiner Arbeit aus.

Ein Hausarzt ruft mich an und möchte, dass ich mir einen Patienten unbedingt sofort ansehe. Dieser hätte zwar nur einen leichten Husten, aber irgendwie würde ihm der Patient nicht gefallen. Der Patient habe zwar keine Risikofaktoren, die Symptomatik sei auch untypisch, der Auskultationsbefund unauffällig – aber, so gesteht der Kollege, er habe halt so ein schlechtes Gefühl im Bauch.

Ich biete einen sofortigen Untersuchungstermin an und bin gespannt auf die diagnostische Qualität des Abdomens des Kollegen. Und in der Tat , der Patient hat eine höchstgradig eingeschränkte linksventrikuläre Pumpfunktion und wird von mir umgehend stationär eingewiesen. Danach rufe ich den Kollegen an und sage ihm:“Chapeau! Ärztliche Tätigkeit ist doch ein bisschen mehr als eine evidenzbasierte Leitlinie! Und passen Sie gut auf Ihren Bauch auf!“


Leserkommentare

Moebius am Donnerstag, 20. Januar 2011, 09:48
Qualität um Folgeschäden an Leib und Seele zu vermeiden
Danke für Ihren Kommentar
hermann27 am Mittwoch, 19. Januar 2011, 22:36
Bauchgefühl
dazu gibt es auch ernsthafte Forschungsbemühungen:
http://www.gutfeelings.eu/
http://en.wikipedia.org/wiki/Gut_feeling
http://www.intuition-sciences.com/
Ich finde die "Bauchgefühle" der alten Praktiker ware mehr als Zufallstreffer und müssen dringend auf eine vernünftige Basis gestellt werden.

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