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Lesefrüchtchen – 04.07.2011

Roboterchirurgie: Monopolisierung

Am Wochenende zwei Chirurgen getroffen. Hatten gerade einen Kursus über Roboterchirurgie hinter sich. Sind begeistert. Hören sich an, als würde die Laparoskopchirurgie medizinisch noch mal getoppt. Dazu kommt, dass der Operateur körperlich weniger belastet wird. Mir kommen ein paar Nebenerkenntnisse. Naiv?

1. Der Begriff Roboter ist irreführend. Die vier elektronisch gesteuerten mechanischen Arme arbeiten in keiner Weise automatisch, sondern allein auf die Fingerbewegungen des Chirurgen an der Konsole hin. Der hat also, um´s juristisch zu formulieren, die Tatherrschaft. Könnte für allfällige "Kunstfehlerprozesse" mal interessant werden. Ein ärztliches Team ist nicht mehr nötig. Es genügt der Operateur. Verbleibende Hilfsarbeiten übernimmt preiswertes Assistenzpersonal.

2. Die "Roboter" kommen von einem Monopolunternehmen. Es hat den gesamten Prozess von der Lieferung des Gerätes und der Verbrauchsmittel über die Wartung bis zur Schulung in der Hand. Alles kostet und nicht zu knapp. Fortbildung als kollegiale Ehrenpflicht? Offenbar Fehlanzeige. Für Robotereingriffe reichen die DRGs nicht. Also kommen die offensichtlichen Vorzüge der robotergestützten Chirurgie bisher nur Privatzahlern zugute. Oder Kassenpatienten, die, sagen wir mal, flott tausend Euro extra abdrücken können.

3. Chirurgen, die überwiegend in ihren Fingerlingen an der Konsole arbeiten, verlieren die Handfertigkeit des offenen Operierens. Das ist solange nicht akut, als die Operateure auf beiden Feldern erfahren sind. Doch gibt es wohl schon Kliniken, auch in Deutschland, wo bei einem Zwischenfall ein konventionelles Chirurgenteam gerufen werden muss.


Leserkommentare

Momole_de am Freitag, 24. Mai 2013, 14:00
Roboterchirurgie
So einen Blödsinn habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Die "Roboterchirurgie" (Telemanipulatorchirurgie) ist eine sinnvolle Erweiterung der chirurgischen Möglichkeiten, sehr zum Wohle der Patienten. Auch dürfen Kliniken KEINE Zuzahlung von Patienten egal welcher Versicherungsstatus vorliegt verlangen. Leider werden die Kosten dieser segensreichen Behandlungsform in unserem DRG-System nicht abgebildet.

Priv.- Doz. Dr. med. Moritz Braun
peanko am Montag, 4. Juli 2011, 16:57
Da Vinci in Gronau
Im PZNW in Gronau werden auch GKV Patienten ohne Zuzahlung mit dem da Vinci System behandelt und gern bieten wir auch eine Hospitation an.
Interesse zum Austausch?
www.pznw.de
02562 915 2144
AKoch

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