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Gesundheit – 06.03.2017

Müdigkeit kommt vor der Demenz

Eine Änderung der Schlafgewohnheiten im Alter kann eine beginnende Demenz anzei­gen. Teilnehmer der Framingham Heart Study, die entgegen ihrer früheren Gewohnhei­ten länger als neun Stunden am Tag schliefen, erkrankten in den folgenden zehn Jahren doppelt so häufig an einer Demenz. 

Die Studie hat die Angaben von 234 Teilnehmern der prospektiven Beobachtungsstudie mit den späteren Diagnosen in Beziehung gesetzt. Bei der Befragung waren die Senio­ren im Durchschnitt 72 Jahre alt. Insgesamt 96 Teilnehmer hatten angegeben, länger als neun Stunden zu schlafen. Neunzehn von ihnen entwickelten in den folgenden zehn Jahren eine Demenz. Von den 215 Senioren mit einer kürzeren Schlafdauer erkrankten nur neun an einer Demenz. 

Insgesamt 75 Teilnehmer hatten angegeben, dass sie früher nicht so lange geschlafen hätten, sechzehn von ihnen waren später dement. Besonders deutlich war der Einfluss der veränderten Schlafgewohnheiten bei Teilnehmern ohne Schulabschluss. Hier kam es sechsmal häufiger zu einer Demenz, wenn die Teilnehmer im Alter längere Schlaf­phasen einlegten.

Die Ursache ist nicht bekannt. Sudha Seshadri von der Boston University School of Medicine, der den Zusammenhang entdeckt hat, vermutet, dass der längere Schlaf eine Art Selbstheilungsversuch ist. Frühere Studien hatten gezeigt, dass der Körper das Gehirn im Schlaf entschlackt (einige Forscher vermuten sogar, dass dies der eigentliche Zweck des Schlafes ist). Beta-Amyloide und andere Abfallstoffe sollen dann vermehrt über den Liquor entsorgt werden. Diese Selbstreinigung ist allerdings eine unbewiesene Hypothese, und die Ergebnisse der Studie zeigen, dass dieser Versuch beim Morbus Alzheimer offenbar nicht gelingt.



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