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Stillstand der elektronischen Datenüber­mittlung zu Abrechnungszwecken

Montag, 30. Oktober 2017
Stillstand der elektronischen Datenüber­mittlung zu Abrechnungszwecken

Was lese ich da? Die Krankenhäuser in Deutschland müssen ihre elektronische Daten­über­mittlung zu Abrechnungszwecken zum Jahreswechsel auf ein neues, internetbasiertes Verfahren umgestellt haben? Und zwar weil die Telekom das ISDN-Verfahren auslaufen lässt? Und obwohl sie es alle seit mindesten einem Jahr wissen, haben es bisher weniger als 10 Prozent (!) auf die Reihe gekriegt?

Das kann doch wohl nicht wahr sein! Wenn man sich in Berlin ein wenig in der „Digital Health“-Szene umschaut, dann spürt man eine echte Euphorie, die der beim ersten großen DotCom-Boom um 2000 absolut vergleichbar ist. Wir Ärzte reden inzwischen mutig – wenn auch gleichzeitig ein wenig ängstlich – vom Quantensprung beim Thema Artificial Intelligence als Grundlage für absehbar drohende Arzt-ersetzende Technologien. Und wir diskutieren die Frage, ob das ausschließliche Behandeln von Patienten über das Internet für immer und ewig und in allen Fällen generell verboten bleiben muss. Und den Sinn einer elektronischen Patientenakte bezweifelt inzwischen auch kaum noch einer. Trotzdem wird immer noch die Mär von den ach so rück­ständigen Ärzten erzählt, die ja angeblich diejenigen sind, die den Wandel verhindern. 

Nein. Nein. Nein. 

In den Krankenhäusern sind völlig unterfinanzierte und unterbesetzte IT-Abteilungen am Werk, die allen Ernstes nicht einmal in der Lage sind, die technischen Voraus­setzungen dafür zu schaffen, dass ihre Häuser im nächsten Jahr noch eine Rechnung schreiben können. „Stillstand der elektronischen Datenüber­mittlung zu Abrechnungs­zwecken“ – eigentlich hatte ich ja gehofft, dass wir demnächst dann doch mal endlich die elektronischen Datenüber­mittlung zu Behandlungszwecken kriegen. Denkste! 

Und warum? Weil die Politik nicht einmal dafür sorgt, dass den Krankenhäusern genügend Mittel für die basalsten Aufgaben zur Verfügung stehen. Weil sie nichts dagegen unternimmt, dass Infrastrukturen verrotten und veralten und es schließlich kurz vor zwölf ist. Wie soll denn in einem solchen Klima die Digitalisierung, der Aufbau neuer, moderner Infrastrukturen klappen? Als wichtige Zukunftstechnologie im drittgrößten Gesundheitsmarkt der Welt! 

Liebe neue Bundesregierung, wenn Du denn gebildet bist, dann sorg bitte dafür, dass der Staat es endlich ernst meint mit der Digitalisierung und der Schaffung von Rahmenbedingungen dafür. Im Gesundheitswesen und anderswo. Mit Geld. Und mit klaren, mutigen Entscheidungen. Jeder von Euch politisch Verantwortlichen hat es doch in den letzten Wochen mindestens 50 mal in jede Kamera und in jeder Talkshow gesagt: Digitalisierung. Digitalisierung. Digitalsierung. 

DI-GI-TA-LI-SIE-RUNG

Das kann doch nicht so schwer sein!