Vermischtes – 08.03.2011

Freiburger Sportmediziner unter Plagiatverdacht

Köln – Am Institut für Sportmedizin der Universität Freiburg sind in den 90er Jahren bis mindestens 2006 nicht nur Sportler des Teams Telekom und T-mobile systematisch gedopt worden. Es wird derzeit auch geprüft, ob es am Institut wissenschaftliches Fehlverhalten im Sinne von Plagiatismus gegeben hat.

Einem Mitglied der Evaluierungskommission Sportmedizin – diese war vom Universitätsklinikum im Juni 2007 ergänzend zur Dopingkommission eingesetzt worden –  waren „inhaltliche Überschneidungen zwischen einer Habilitation und einer Dissertation“ aufgefallen. Beide Arbeiten waren Anfang der 80er Jahre entstanden. „Wir möchten keine konkreten Namen von Verfassern nennen, um Vorverurteilungen zu vermeiden“, sagte der Leiter der Universitätspressestelle, Rudolf-Werner Dreier, dem Deutschen Ärzteblatt.

Er bestätigte aber, dass nach dem Bekanntwerden des Verdachtes der Leiter der Abteilung Sportmedizin, Hans-Hermann Dickhuth, gebeten habe, bis zur Klärung der Vorwürfe ohne Bezüge beurlaubt zu werden, um einer Aufklärung nicht im Wege zu stehen. Dem Wunsch nach Beurlaubung habe der Rektor der Universität entsprochen, sagte Dreier.

Mehrere Zeitungen und Magazine, darunter Der Spiegel (2011; 10: 34), hatten Dickhuth auch als Verfasser der Habilitationsschrift mit inhaltlichen Überlappungen zu einer Dissertation genannt. Dreier bestätigte nur, dass sich Dickhuth in der Zeit, aus der die Habilitation stammt, als Assistent der Medizinischen Klinik in der Abteilung Sportmedizin bei Josef Keul habilitierte.    

Bei einer vom Rektorat veranlassten weiteren Prüfung ist nach Information des Pressesprechers eine zweite am Institut für Sportmedizin angefertigte Doktorarbeit aufgetaucht, die inhaltliche Überschneidungen zu den anderen Arbeiten aufweist. „Das Dekanat, das mit diesen Vorprüfungen befasst ist, hat nun alle Beteiligten gebeten, sich bis 12. März schriftlich zu den Vorwürfen zu äußern“, erläuterte Dreier.

Am 14. März werde das Dekanat dann entscheiden, ob weiter untersucht werde. Falle die Entscheidung zu einer weiteren Prüfung, könnten damit die Promotions- oder die Habilitationskommission beauftragt werden oder der Untersuchungsausschuss für Redlichkeit in der Wissenschaft.

Die Universität Freiburg hat den aktuellen Verdacht selbst öffentlich gemacht. Sie hatte nach Dopingvorwürfen gegenüber mehreren Freiburger Sportmedizinern in der Presse im Mai 2007 eine Dopingkommission und im Juni 2007 eine Evaluierungskommission eingesetzt. Die Dopingkommission hat nach zweijähriger akribischer Untersuchungsarbeit im Mai 2009 in ihren Abschlussbericht vorgelegt (DÄ 2009; 21:A 1033-4).

Keul, der die Abteilung Sportmedizin im Zeitraum der jetzt unter Plagiatverdacht stehenden, wissenschaftlichen Arbeiten geleitet hat, wurde keine aktive Beteiligung an Doping nachgewiesen, aber eine verharmlosende und damit die Anwendung von Doping fördernde Grundhaltung bescheinigt.

Über Dickhuth schrieb die Kommission, sie habe keine Anhaltspunkte, dass er von Dopingpraktiken seiner Mitarbeiter gewusst habe. Da es aber Zweifel an der Qualität wissenschaftlichen Arbeitens am Institut für Sportmedizin gab, wurde die Evaluierungskommission mit einer Prüfung bis in die 70er Jahre beauftragt.

© nsi/aerzteblatt.de

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