Medizin – 26.05.2016

Studie: Fußgängerfreundliche Stadtteile vermeiden Adipositas und Diabetes

/dpa

Toronto – In fußgängerfreundlichen Stadtteilen gibt es weniger übergewichtige oder fettleibige Menschen, die Zahl der Diabetiker ist in kanadischen Städten gegen den Trend sogar rückläufig, wie eine bevölkerungsbasierte Untersuchung im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2016; doi: 10.1001/jama.2016.5898) ergab.

Neben einer hyperkalorischen Ernährung wird vor allem der Bewegungsmangel vieler Menschen für die Zunahme von Adipositas und Typ 2-Diabetes verantwortlich gemacht. Unter Stadtplanern wird derzeit diskutiert, ob die zunehmende Ausrichtung urbaner Regionen auf den Automobilverkehr eine mögliche tieferliegende Ursache ist und ob eine fußgängerfreundliche Gestaltung den Trend umkehren könnte. Eine Untersuchung kanadischer Forscher liefert hierfür Argumente. 

Das Team um Gillian Booth vom St. Michael's Hospital in Toronto hat über einen Zeitraum von elf Jahren die Gesundheitsdaten der Bevölkerung in 15 Städten im Süden Kanadas mit einem Index zur Fußgängerfreundlichkeit des Wohnortes in Beziehung gesetzt. Die Fußgängerfreundlichkeit wurde mit einem validierten Index bewertet. Er setzt sich zusammen aus Bevölkerungsdichte (Anzahl der Einwohner pro Fläche), Siedlungsdichte (Anzahl der Wohnungen pro Fläche), der per Fuß erreichbaren Ziele (Anzahl der Einzelhandelsgeschäfte, Bibliotheken, Banken, Gemeindezentren und Schulen, die innerhalb von 10 Minuten zu Fuß erreichbar sind) und der Anzahl der Straßen­kreuzungen.

Im Jahr 2001 waren im Quartil der Stadteile mit der höchsten Fußgängerfreundlichkeit 43 Prozent der Menschen übergewichtig oder fettleibig. Im Quartil mit der geringsten Fußgängerfreundlichkeit waren es 53 Prozent, also 10 Prozent weniger. Bis zum Jahre 2011 hat sich der Anteil der übergewichtigen oder adipösen Menschen in den fußgängerfreundlichsten Regionen kaum verändert. Er betrug jetzt 45,5 Prozent. In den am wenigsten fußgängerfreundlichen Regionen war der Anteil dagegen auf 59 Prozent gestiegen. Die Differenz war auf 13,5 Prozent gestiegen.

Noch deutlicher waren die Unterschiede beim Diabetes. Hier kam es zwischen 2001 und 2012 in den fußgängerfreundlichsten Regionen zu einem Rückgang der Neuerkran­kungsrate von 8,7 auf 7,6 pro 1.000 Einwohner und Jahr. In den am wenigsten fußgängerfreundlichen Stadtteilen hat sich die Diabetesinzidenz dagegen nicht verändert. Weitere Befragungen ergaben, dass die Menschen in den fußgän­gerfreundlicheren Gegenden tatsächlich häufiger wandern, radfahren und seltener das Auto benutzen.

© rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

rol1 am Freitag, 27. Mai 2016, 07:22
Einschränkung
Der Artikel ist bei JAMA im Volltext zu lesen, am Ende heisst es dort:
"However, the ecologic nature of these findings and the lack of evidence that more walkable urban neighborhood design was associated with increased physical activity suggest that further research is necessary to assess whether the observed associations are causal."

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