Ärzteschaft – 07.02.2017

Mehr Medizinstudienplätze als Rezept gegen Ärztemangel

/dpa

Berlin – Der Marburger Bund (MB) hat Bund und Länder aufgefordert, ein Finanzkon­zept zum Ausbau von Medizinstudienplätzen zu vereinbaren. Ein Ausbau der Studien­plätze um mindestens zehn Prozent könnte nach Einschätzung der Ärztegewerkschaft „ein sehr wirksames Rezept gegen den spürbaren Ärztemangel in Klinik und Praxis“ sein.

„Der Masterplan zur Reform des Medizinstudiums bietet die große Chance, mehr geeig­ne­te Bewerber zum Studium zuzulassen“, erklärte MB-Vizevorsitzender Andreas Botzlar. Er begrüßte in diesem Zusammenhang die für 2019 geplante Errichtung einer Medizini­sch­en Fakultät an der Universität Augsburg, die perspektivisch mehr als 200 neue Me­dizin­stu­dienplätze pro Jahrgang schaffen soll.

Unverständlich sei dagegen, warum gerade Bayern einen Teil dieser Studienplätze nur unter Vorbehalt vergeben wolle und für eine Landarztquote bei der Studienzulassung eintrete. „Wer kann schon mit 18 Jahren sagen, welche Fachrichtung sie oder er nach dem Medizinstudium wählen wird“, so Botzlar. Eine solche sanktionsbewehrte Verpflich­tung sei nicht nur weltfremd, sie widerspreche auch dem Wesen der freien Studien- und Berufswahl.

Zudem sei nicht nur die Allgemeinmedizin vom Ärztemangel betroffen. „Auf uns rollt eine riesige Ruhestandswelle zu, wenn die geburtenstarke Babyboomer-Generation in zehn bis fünfzehn Jahren aus dem Beruf ausscheiden wird“, warnte der MB-Vize. Unbesetzte Stellen könnten auf Dauer keinesfalls durch Mehrarbeit der vorhandenen Ärzte ausgegli­chen werden. „Die Politik muss sich rechtzeitig auf die veränderte Lage einstellen, sonst trägt sie allein die Verantwortung für eine dann unvermeidliche Wartelistenmedizin“, sag­te Botzlar.

© hil/sb/aerzteblatt.de

Leserkommentare

nocure am Mittwoch, 8. Februar 2017, 15:39
Völlig konzeptlos
Seit Jahren tröten Interessenverbände für mehr Medizinstudienplätze, gleichzeitig aber werden weder die Ausbildungs- noch Arbeitsbedingungen dieser Personengruppen verbessert. Wir haben in D immer noch eine "Verlustquote" von Medizinstudenten die europaweit ohne Beispiel ist. Selbst nach Ende des Studiums haben wir im Rahmen der Weiterbildung eine Abbrecherquote mit Abwanderung in andere Tätigkeitsbereiche, welche hahnebüchen ist. Vielleicht sollte sich diese "Posaunisten" aus Politik und Verbänden mal diesem Thema annehmen, die Bedingungen verbessern und mittels eines geeigneten Controllings den Erfolg messen. In der Frauenheilkunde sind viele Praxen mit 2-3 Teilzeitärztinnen besetzt, bedeutet, sie übernehmen die Arbeit von vorher einer Person. Vielleicht sollten sich die Strukturen so ändern, dass die Niederlassung wieder für Vollzeitarbeiterinnen und Arbeiter interessant wird. Scheint aber nicht gewollt.

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