Medizin – 09.02.2017

Koronarkalk zeigt Herzinfarktrisiko bei jungen Menschen an

dpa

Nashville/Tennessee – Menschen, die bereits im Alter von 40 Jahren eine Verkalkung der Koronararterien aufweisen, hatten in einer prospektiven Kohortenstudie in JAMA Cardiology (2017; doi: 10.1001/jamacardio.2016.5493) ein teilweise erhebliches Risiko, bis Mitte 50 einen Herzinfarkt zu erleiden und vorzeitig zu sterben.

Das Ausmaß einer Koronarsklerose, die wichtigste Ursache für einen Herzinfarkt, kann heute non-invasiv (aber nicht ohne ein gewisses Strahlenrisiko) mit einer Computerto­mo­graphie abgeschätzt werden. Üblich ist die Angabe im Agatston-Score auf der Basis einer Bestimmung der Röntgenopazität. Die Koronarkalkbestimmung ist in epidemiologi­schen Studien mittlerweile ein beliebtes Instrument, um das koronare Risiko abzu­schätzen.

Bei einigen Menschen setzt die Koronarverkalkung relativ früh ein. So hatte jeder zehnte Teilnehmer in der CARDIA-Studie („Coronary Artery Risk Development in Young Adults“), die eine Gruppe von schwarzen und weißen US-Amerikanern seit dem frühen Erwachse­nenalter begleitet hatte, im Alter von 40 Jahren bereits einen Koronarkalk­nach­weis in der Computertomographie.

Der Agatston-Score war mit durchschnittlich 21,6 noch relativ gering. Dennoch war der frühe Beginn der Verkalkung mit einem fünffach erhöhten Risiko verbunden, in den nächsten 12,5 Jahren eine koronare Herzkrankheit zu entwickeln (Hazard-Ratio 5,0; 95-Prozent-Konfidenzintervall 2,8–8,7). Jeder zehnte Teilnehmer der CARDIA-Studie hatte bis Mitte 50 bereits einen Herzinfarkt oder ein anderes koronares Ereignis erlitten.

Von den wenigen Teilnehmern, die Anfang 40 bereits einen Agatston-Score von 100 oder mehr hatten, erlitt in diesem Zeitraum bereits jeder vierte (26,1 Prozent) ein koronares Ereignis und mehr als jeder fünfte (22,4 Prozent) war an einem Herz-Kreislauf-Tod gestor­ben. Das Team um Jeffrey Carr vom Vanderbilt University Medical Center in Nash­ville, Tennessee ermittelte eine Hazard-Ratio für ein koronares Ereignis von 9,8 (4,5–20,5) und eine Hazard-Ratio für einen vorzeitigen Tod von 3,7 (1,5–10,0).

Die Koronarkalkbestimmung wäre damit in der Lage, im Alter von 40 Jahren eine Gruppe von Personen zu ermitteln, die ein deutlich erhöhtes Risiko auf einen vorzeitigen Tod hat. Für ein allgemeines Bevölkerungs-Screening wäre diese Gruppe vermutlich zu klein. Die Zahl der Personen, die mit der Computertomographie untersucht werden müssten, um eine Person mit einer erhöhten Koronarverkalkung zu finden, wäre zu hoch.

Carr gelingt es aber, aufgrund anderer Risikofaktoren eine Gruppe zu definieren, bei der mit einer Wahrscheinlichkeit von 44,7 Prozent eine Koronarverkalkung vorliegt. Dies ergibt eine „Number needed to scan“ von nur 2,2 Personen. Doch auch hier wäre ein Screening nur dann sinnvoll, wenn durch vorbeugende Maßnahmen, etwa eine früh­zeitig beginnende intensivierte Statintherapie, die weitere Koronarverkalkung aufgehal­ten werden könnte.


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