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Ärzteschaft – 21.04.2017

Patienten bevorzugen ambulante Versorgung

/Candy Box Images, stock.adobe.com

Berlin – Krankenhäuser erfreuen sich hierzulande keiner allzu großen Beliebtheit. Das zeigt eine Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der Kassenärztlichen Bun­desvereinigung (KBV). Danach würden sich 61 Prozent der Befragten im Alter selbst bei schwerer Krankheit am liebsten zu Hause behandeln lassen, nur 18 Prozent zogen das Krankenhaus vor. Ledig­­lich ältere Menschen schätzen die klinische Versorgung etwas mehr. Rund ein Drittel (32 Prozent) der über 70-Jährigen würde bei ernsten Krankheiten am liebsten in der Klinik be­handelt.

Ziel der Umfrage war es laut KBV, ein Stimmungsbild zu gesundheitspolitischen Einstel­lun­gen der Bevölkerung zu ermitteln. Dabei ging es auch um die generelle Gestaltung der Gesundheitsversorgung. Laut Umfrage schneidet dabei die ambulante Versorgung im Vergleich zur klinischen deutlich besser ab.

So kritisierten die Befragten beispielsweise auch mehrheitlich das Entlassmanagement der Krankenhäuser und forderten bei der Überleitung aus dem Krankenhaus ins häusli­che Umfeld mehr Patientenorientierung. 89 Prozent der Patienten wünschen sich etwa, dass sie bei der Entlassung aus dem Krankenhaus immer einen Arztbrief mit Diagnose und Vorschlägen zur Weiterbehandlung bekommen oder bei Bedarf vom Krankenhaus Re­zepte für Medikamente erhalten.

Dagegen trifft die bundesweit einheitliche Rufnummer des ärztlichen Bereitschaftsdiens­tes in der Bevölkerung auf breite Zustimmung: 92 Pro­zent der Befragten begrüßen sie, 66 Prozent würden sich darüber gerne auch medizi­nisch beraten lassen.  

Angesichts der Umfrageergebnisse fordert KBV-Chef Andreas Gassen eine deutliche Stärkung des ambulanten Sektors. „Wir wehren uns gegen das Kirchturmsdenken man­cher Politiker, die um jeden Preis jedes Krankenhaus – egal, wie unwirtschaftlich es ist – erhalten wollen“, erklärte er.

© hil/sb/aerzteblatt.de

Leserkommentare

DieAndereSeite am Dienstag, 25. April 2017, 07:03
Glaube nie einer Statistik...
die du nicht selbst gefälscht hast. Ich war schon immer froh, nach meinen diversen Operationen stationär nachbehandelt zu werden. Manchmal leider zur kurz Dank der vorgegebenen mittleren Grenzverweildauer. Man kann als Patient dem Entlassmanagement auf die Sprünge helfen, indem man nachfragt, um Medikation bis zum Besuch des Haus-/Facharztes bittet, ggf. Brückenpflege in Anspruch nimmt etc. Sich im ambulanten Bereich um Fahrdienste zu kümmern, mit Krücken ständig Treppen zu bewältigen, mit frisch geklammerten Bauchwunden Geschirr aus Hängeschränken zu angeln - all das ist mit Sicherheit nicht einfacher geschweige denn angenehmer. Also: Augen auf bei Statistiken.

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