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Medizin – 18.05.2017

Fenchel lindert klimakterische Beschwerden in zwei Studien

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Teheran – Fenchel, ein (nicht nur) in der orientalischen Küche beliebtes Gemüse mit einem hohen Gehalt an Phytoöstrogenen, hat in einer randomisierten klinischen Studie die klimakterischen Beschwerden von postmenopausalen Frauen gelindert. Die in Menopause (2017; doi: 10.1097/GME.0000000000000881) publizierten Ergebnisse sind ein erster Wirkungsbeleg für eine im Iran stark verbreitete Phytotherapie. Eine weitere Studie hat die Wirksamkeit einer Fenchelcreme bei Vaginalatrophie, einer weiteren postmenopausalen Störung, untersucht.

Der ursprünglich aus dem Mittelmeergebiet stammende Fenchel (Foeniculum vulgare) wurde bereits in der Antike als Gemüse und Heilpflanze geschätzt. Heute ist die Pflanze wohl weltweit verbreitet und für die meisten Menschen ist es das erste Heilmittel, mit dem sie in ihrem Leben in Kontakt treten: Fencheltee ist ein beliebtes Mittel gegen Blähungen, zu denen es bei Säuglingen nach der Umstellung auf feste Nahrung kommt. 

Fenchel, genauer der Extrakt aus den Samen, wird medizinisch angewendet gegen unspezifische Verdauungsprobleme, wie etwa leichte krampfartige Magen-Darm-Beschwerden, Völlegefühl und Blähungen. Zum Einsatz kommt er auch bei Entzündungen von Hals und Rachen. Haben Kinder diese Beschwerden, bekommen sie oft Fenchelhonig. Für den Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ war Fenchel deshalb die Arzneipflanze des Jahres 2009.

Besonders viele Anhänger hat der Fenchel in Zentralasien und dem Iran. Majid Asadi-Samani von der Universität in Schahr-e Kord im Westen des Iran listete kürzlich eine lange Liste von medizinischen Eigenschaften auf, die von einer antioxidativen und anti-entzündlichen, über eine antifungale bis zur antibakteriellen Wirkung reicht. Auch bei Krebserkrankungen soll Fenchel helfen (J HerbMed Pharmacol. 2015; 4: 1-9).

Auf besonderes Interesse stoßen seit einigen Jahren die östrogenartigen Eigenschaften von Fenchel. Laut Asadi-Samani kann Fenchel die Milchbildung steigern, Menstru­ationsbeschwerden lindern, die Geburt erleichtern und natürlich auch das sexuelle Verlangen steigern. Wirkungsbelege aus randomisierten Studien werden in der Naturheilkunde traditionell nicht gefordert. Tatsache ist aber, dass Fenchel einen hohen Gehalt von Phytoöstrogenen hat. 

Damit kommt Fenchel für die Behandlung von klimakterischen Beschwerden von Frauen nach der Menopause infrage, wo nach dem weitgehenden Verlassen der Hormonersatztherapie eine therapeutische Lücke besteht. 

Ein Team um Fatemeh Rahimikian von der Universität Teheran hat hierzu eine kleine randomisierte Studie durchgeführt, an der 79 Frauen im Alter zwischen 45 und 60 Jahren teilnahmen, die unter klimakterischen Beschwerden litten. Die Frauen nahmen über acht Wochen zweimal täglich eine Kapsel ein, die in einer Gruppe jeweils 100 mg eines Fenchelextraktes enthielt, in der anderen Gruppe jedoch wirkstofffrei war. Primärer Endpunkt waren die Veränderungen in der Menopause Rating Scale, einem international anerkannten Messinstrument für klimakterische Beschwerden.

Die iranischen Forscherinnen bescheinigten dem Fenchelextrakt bereits bei der ersten Untersuchung nach zwei Wochen eine signifikante Wirkung, die über die gesamten acht Wochen der Behandlung anhielten. Die Verträglichkeit wird als gut beschrieben. Ernsthafte Nebenwirkungen sollen nicht aufgetreten sein. 

Die Studie erschien in dem Organ der North American Menopause Society, die Interesse an der Therapie anmeldete. Die Pressemitteilung lobt die Studie als eine der ersten klinischen Studien zu den möglichen Vorteilen von Fenchel in der Behandlung menopausaler Symptome. Die Ergebnisse müssten allerdings noch durch eine größere Studie bestätigt werden, forderte die Geschäftsführerin JoAnn Pinkerton.

Eine weitere Indikation könnte die vaginale Atrophie sein, zu der es nach der Menopause kommen kann. Hierzu wurden kürzlich in Maturitas die Ergebnisse einer weiteren randomisierten klinischen Studie aus dem Iran veröffentlicht. Sechzig postmenopausale Frauen, die über Symptome einer Vaginalatrophie klagten, hatten acht Wochen eine Creme angewendet, die bei der Hälfte der Teilnehmerinnen 5 Prozent Fenchelextrakt enthielt, in der anderen Gruppe aber wirkstofffrei war.

Masoumeh Yaralizadeh und Mitarbeiter berichten über eine signifikante Verbesserung im Vaginal Maturation und eine häufigere Normalisierung des pH-Wertes in der Scheide. Auch hier dürften weitere Untersuchungen notwendig sein, bevor die Behandlung von der westlichen Medizin als evidenz-basiert anerkannt wird.

© rme/aerzteblatt.de

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