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Medizin – 19.05.2017

Lebenserwartung HIV-Infizierter um zehn Jahre gestiegen

/Viacheslav Iakobchuk, stock.adobe.com

Bristol – Die Lebenserwartung eines HIV-Infizierten ist seit Beginn der antiretroviralen Therapie gegen HIV 1996 in Europa und Nordamerika um zehn Jahre gestiegen. Der Anstieg gilt für Erkrankte, die eine frühzeitige Behandlung erhalten haben. Diese Entwicklung zeigt eine Studie unter der Leitung von Adam Trickey, die in der Fachzeitschrift Lancet HIV erschienen ist (2017; doi: 10.1016/S2352-3018(17)30066-8).

Seit 1996 wird die antiretrovirale Therapie weitläufig eingesetzt. Sie besteht aus einer Kombination von drei oder mehr Medikamenten, die das HIV-Virus an seiner Replika­tion hindern. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt so früh wie möglich mit der antiretroviralen Therapie zu beginnen, wenn die Diagnose HIV gesichert ist.

Die Forscher verwendeten für ihre Studie Daten von über 80.000 HIV infizierten Menschen aus 18 europäischen und nordamerikanischen Studien, die Patienten einschlossen, die zwischen 1996 und 2010 mit der antiretroviralen Therapie begonnen hatten. Um die Lebenserwartung abschätzen zu können, untersuchte das Team die Anzahl derer, die binnen der ersten drei Jahre nach Beginn der Behandlung verstorben waren, den Grund ihres Todes, ihre HIV-Viruslast, die Anzahl CD4 positiver T-Zellen und ob die Probanden die Infektion durch Drogenmissbrauch erworben hatten.

Die Zahl derjenigen, die zwischen 2008 und 2010 mit der Behandlung begonnen hatten und während der ersten drei Jahre nach Beginn der Behandlung starben, war deutlich geringer, als die Anzahl der Todesfälle unter denen, die bereits 1996 bis 2007 mit der Behandlung begonnen. Bei der Betrachtung der durch AIDS bedingten Todesfälle stellten die Forscher einen deutlichen Rückgang zwischen 1996 und 2010 fest. Dies sei mit hoher Wahrscheinlichkeit den neuen Therapieoptionen mit antiretroviralen Medikamenten zu verdanken, die effektiver in der Sanierung des Immunsystems seien, so die Wissenschaftler.

Während dieser Zeit sind die Messungen der CD4 positiven T-Zellen deutlich besser geworden. Nach einem Jahr unter Therapie stiegen die Zellen im Zeitraum von 1996 bis 1999 auf 370 pro Mikroliter Blut, während es 2008 bis 2010 430 Zellen pro Mikroliter Blut waren. Zudem stieg der Anteil derjenigen mit einer niedrigen Viruslast von 71 auf 93 Prozent.

Als Ergebnis diese Verbesserungen zwischen 1996 und 2013 zeigt sich heute eine verlängerte Lebenserwartung  für Männer und Frauen in Europa und Nordamerika von bis zu zehn Jahren.

Die Vorhersagen basieren auf den Todesfallraten im zweiten und dritten Jahr der Behandlung von Europäern und Nordamerikanern. So schätzen die Forscher, dass 20jährige, die zwischen 2008 und 2010 mit der Therapie begonnen und das erste Jahr ab Therapiebeginn überlebt haben, eine Lebenserwartung von 73 Jahren für Männer und 76 Jahren für Frauen haben. Keine so drastische Besserung konnten die Wissen­schaftler für die Menschen feststellen, die sich die HIV Infektionen durch die Injektion von Drogen zugezogen hatten.

Die Forscher meinen, dass die moderne Medikamente bereits so gut seien, dass neue Medikamente die Anzahl an Todesfällen vermutlich kaum weiter senken würden. Jetzt sei es wichtig, den Fokus auf Therapietreue der Patienten, die Therapiemöglichkeiten bei einer späten Diagnosestellung sowie auf Diagnose und Behandlung von Begleit­symptomen der HIV-Erkrankung zu legen, hieß es aus der Arbeitsgruppe.

© hil/aerzteblatt.de

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