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Neue Hochschulambulanz für Fettstoffwechsel­störungen in Greifswald

Dienstag, 12. Juni 2018

Greifswald – Eine neue Ambulanz für Fettstoffwechselstörungen – die „Lipidambulanz“ – hat die Universitätsmedizin Greifswald eröffnet. Patienten können dort hinsichtlich ihres kardiovaskulären Gesamtrisikos untersucht werden. Das Team der Hochschul­ambulanz bietet außerdem bei Bedarf eine molekulargenetische Diagnostik und eine Lifestyle- und Ernährungsberatung an. „Die Spezialambulanz ist eine wichtige Ergänzung des medizinischen Leistungsspektrums für die Menschen in dieser Region“, erklärte der Direktor der Klinik für Innere Medizin B, Stephan Felix. Fettstoff­wechsel­störungen stellten bekanntlich einen entscheidenden Risikofaktor für Arteriosklerose und ihre kardiovaskulären Folgeerkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle dar.

„Problematisch ist, dass Störungen im Fettstoffwechsel und den Blutfetten sich nicht durch Schmerzen bemerkbar machen, sondern meistens erst durch die Folge­erkrankungen durch jahrelange Ablagerungen in den Gefäßen. Erfreulich ist jedoch, dass sich die Therapiemöglichkeiten von Fettstoffwechselstörungen in den letzten Jahren bedeutend weiterentwickelt und verbessert haben“, sagte die Leiterin der Lipidambulanz, Raila Busch.

Die Lipidambulanz in Greifswald bietet laut der Universitätsmedizin das vollständige medizinische Diagnostik- und Therapiespektrum an. Für molekularbiologische Untersuchungen bei angeborenen Fettstoffwechselstörungen arbeitet sie mit dem Institut für Humangenetik unter Leitung von Ute Felbor zusammen.  

Ärzte können unter der Telefonnummer 03834-8680100 Termine für ihre Patienten vereinbaren.

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Kommentare
dr.med.thomas.g.schaetzler am Samstag, 16. Juni 2018, 10:52
"Tag des Cholesterins"
Forderungen der Lipid-Liga werden von Politik und GBA konterkariert: Zu Recht weist die Lipid-Liga zum gestrigen "Tag des Cholesterins" darauf hin, dass Dyslipidämien in den entwickelten Industriegesellschaften zu den häufigsten Erkrankungen gehören und wegen zunehmender Lebenserwartung  kardiovaskuläre Erkrankungen und Todesfälle provozieren.

In Deutschland ist weder bei Vorsorgeuntersuchungen von Kindern noch von Erwachsenen ab dem 35. Geburtstag  eine Bestimmung von LDL-Cholesterin, Triglyzeriden und Lipoprotein(a) vorgesehen, obwohl viele Dyslipidämien genetische Ursachen haben.

Nicht nur die Lipid-Liga, sondern auch andere ärztliche Fachgesellschaften fordern, ein erweitertes Screening einzuführen.

Ab dem 35. Geburtstag besteht in der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV)  alle zwei Jahre ein Anspruch auf den Checkup 35. Bei diesem ist aber lediglich die Messung des Gesamtcholesterins, der Blutglucose und ein Urinstatus vorgesehen, insuffiziente Labor-Untersuchungen mit geringer Aussagekraft.

Gesundheitspolitik, Gemeinsamer Bundes­aus­schuss der Ärzte und Krankenkassen  (GBA) blockieren nachhaltig die Weiterentwicklung von dringend notwendigen, ärztlich geleiteten Präventionsmaßnahmen einschließlich Raucherentwöhnung, Adipositas- und Ernährungs-Beratung bzw. Suchtprävention. Die Lipid-Liga macht sich dagegen dafür stark, zumindest differenzierte Messungen des Lipid-Stoffwechsels auf die gesundheitspolitische Agenda zu setzen.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund