aerzteblatt.de

Pädiater und Internisten wehren sich gegen Landarztquote

Mittwoch, 13. Juni 2018

Düsseldorf/Köln – Gegen die sogenannte Landarztquote in ihrer jetzigen Ausgestal­tung wehren sich die Berufsverbände der Internisten (BDI) und der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). „Die Regelung greift zu kurz, weil der Begriff Landarztquote sich einzig und allein auf die Allgemeinmedizin bezieht“, sagte der BDI-Präsident Hans-Friedrich Spies. Er betonte, dass die hausärztliche Versorgung nicht nur von der Allgemeinmedizin, sondern auch von hausärztlich tätigen Fachärzten für Innere Medizin sowie Kinder- und Jugendärzten sichergestellt werde. „Von daher ist es unverständlich, wie durch eine Förderung einer einzelnen Fachgruppe ein generell bestehender Ärztemangel gelöst werden soll. So fehlen in der Versorgung auch zunehmend grundversorgende Fachärzte“, so Spies.

„Damit ist die Lösung des Problems einfach – zusätzliche Studienplätze müssen her“, forderte Tilo Radau, Geschäftsführer des BDI. 

Der nordrhein-westfälische Ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Laumann (CDU) ist einer der Befürworter der Landarztquote. Anfang Juni stellte er einen Gesetzentwurf der Landesregierung sowie weitere Eckpunkte zur Umsetzung der Landarztquote in Nordrhein-Westfalen (NRW) vor. Sebastian Bartels, Assistentensprecher des BVKJ, hält die Landarztquote für ein untaugliches Instrument und wendet sich daher in einem offenen Brief an den Minister.

„Bitte verfallen Sie nicht in blinden Aktionismus“, schreibt Bartels darin. Denn obwohl das Interesse an Studienplätzen für Human­medizin seit 15 Jahren beachtlich groß sei, wurde ihre Anzahl in der Vergangenheit verringert statt erhöht. „Reduzieren wir also nun die Gesamtzahl von künftigen Medizinstudenten um bis zu zehn Prozent im Sinne der Landarztquote, ohne zusätzliche Studienplätze zu schaffen, führt dies unweigerlich zu vermehrten Engpässen in allen anderen medizinischen Bereichen“, so Bartels.

Die Landarztquote vermittle außerdem den Eindruck, dass für die grundversorgende Medizin andere Standards gelten: Gute Schüler studierten Medizin mit allen Möglichkeiten für die Zukunft – Schüler mit schlechterem Abitur dürften immerhin noch den Landarztpfad wählen. „Da entsteht schnell ein falsches Bild. Also lieber die Auswahl aller Medizinstudienplätze reformieren und die Zahl der Studienplätze erhöhen“, so die Empfehlung des Assistentensprechers.

Er empfiehlt außerdem, statt der Landarztquote die grundversorgende Medizin von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen grundlegend attraktiver zu gestalten. „Fördern Sie die eigentliche Arzttätigkeit! Helfen Sie, diese zu entbürokratisieren und entlasten Sie die Ärzte von weiter ausufernden Verwaltungsaufgaben“, so Bartels Appell. „Was wir also brauchen, ist ein ganzes Paket von Maßnahmen gegen den Ärztemangel auf dem Land. Die Landarztquote brauchen wir nicht“, so sein Fazit. 

NRW hat seit Anfang des Jahres den Vorsitz in der Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz. Am 20. und 21. Juni wird diese in Düsseldorf tagen.

© hil/aerzteblatt.de