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Medizin – 22.05.2017

COPD: Nicht-invasive Beatmung in Heimtherapie in Studie effektiv

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London – Eine zusätzliche nicht-invasive Beatmung mit einem Heimgerät kann die erneute Hospitalisierung oder den Tod von Patienten im fortgeschrittenen Stadium einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) hinauszögern. Dies kam in einer randomisierten kontrollierten Studie heraus, die auf der Jahrestagung der American Thoracic Society in Washington vorgestellt und im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2017; doi: 10.1001/jama.2017) publiziert wurde.

Die Behandlungsoptionen für Patienten mit schwerer COPD sind begrenzt. Die meisten werden nach einer Exazerbation einer COPD mit einem Sauerstoffgerät nach Hause entlassen. Seit längerem wird überlegt, ob die Situation der Patienten durch eine zusätzliche nicht-invasive Beatmung (NIV) verbessert werden kann. Geräte, mit denen die Patienten die NIV zuhause anwenden können, gibt es seit längerem. Die Studien zum Nutzen der Therapie haben jedoch zu widersprüchlichen Ergebnissen geführt.

Eine Studie der Deutschen Lungenstiftung war vor einigen Jahren zu einem positiven Ergebnis gekommen. Die zusätzliche NIV hatte die Sterblichkeit der Patienten im ersten Jahr der Behandlung von 33 auf 12 Prozent gesenkt und die Sauerstoffwerte (PaCO2) tagsüber verbessert (Lancet Respiratory Medicine 2014; 2: 698-705). Eine niederländische Studie konnte dagegen keinen Vorteil erkennen (Thorax 2014; 69: 826-34). Bereits in den 1990er Jahren hatte eine kanadische Studie vergeblich versucht, den Nutzen einer ambulanten NIV zu belegen (Lancet 1992; 340: 1425-9).

Jetzt kommt eine Studie aus Großbritannien erneut zu einem positiven Ergebnis. An der Studie nahmen 116 Patienten teil, bei denen die Ärzte anlässlich einer Hospitalisierung nach akuter COPD-Exazerbation die Indikation für eine Sauerstoff-Langzeittherapie gestellt haben. Die Hälfte der Patienten wurde mit einem zusätzlichen Gerät für eine nächtliche NIV ausgerüstet.

Ergebnisse: Die NIV verlängerte die Dauer bis zur nächsten Hospitalisierung oder den Tod des Patienten (primärer Endpunkt der Studie) von 1,6 auf 4,3 Monate. Patrick Murphy vom St Thomas' Hospital in London und Mitarbeiter ermitteln eine adjustierte Hazard Ratio von 0,49, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,31 bis 0,77 signifikant war. Innerhalb der ersten 12 Monate kam es in der NIV-Gruppe bei 63,4 Prozent zur erneuten Hospitalisierung oder zum Tod gegenüber 80,4 Prozent in der Kontrollgruppe. Die absolute Risikoreduktion von 17,0 Prozent war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,1 bis 34,0 Prozent ebenfalls signifikant. In der NIV-Gruppe waren nach 12 Monaten 16 Patienten verstorben gegenüber 19 Patienten, die keine NIV durchgeführt hatten. 

Die widersprüchlichen Ergebnisse der Studien sind verwirrend (zumal das Design der negativen kanadischen und der positiven britischen Studie sehr ähnlich war). Der Editorialist Nicholas Hill vom Tufts Medical Center in Boston vermutet, dass die Einschlusskriterien der Studien die Unterschiede erklären. Für die klinische Praxis würde dies bedeuten, dass die richtige Auswahl der Patienten über den Erfolg entscheidet. Murphy hält eine persistierende Hyperkapnie für ein zentrales Kriterium. Die Entscheidung für eine NIV sollte nach einer Hospitalisierung nicht zu früh gestellt werden, rät Murphy. Einige Patienten würden sich allmählich wieder erholen und benötigten die NIV dann nicht.

© rme/aerzteblatt.de

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