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Medizin – 27.03.2017

Krebsimmuntherapie: FDA lässt Avelumab bei Merkelzellkarzinom zu

Silver Spring – Die US-Arzneibehörde FDA hat den Checkpoint-Inhibitor Avelumab als erstes Medikament zur Behandlung  des metastasierten Merkelzellkarzinoms zuge­lassen. Der Anti-PD-L1 Antikörper hatte in einer offenen Studie bei einem Drittel der Patienten teilweise längerfristige Remissionen erzielt.

Während Hautkrebs zu den häufigeren Malignomen zählt, ist das Merkelzellkarzinom ausgesprochen selten. Bei einer Inzidenz von derzeit 0,4 auf 100.000 Personen pro Jahr erkranken in Deutschland jedes Jahr weniger als 400 Menschen. Bei den meisten Patienten kann der auffällige violett-blau-rote kugelige Tumor mit glatter glänzender Oberfläche erfolgreich reseziert werden. Bei der Hälfte der Patienten kommt es jedoch zu einem Rezidiv und ein Drittel der Patienten entwickelt eine metastasierte Erkrankung. Die mittlere Überlebenszeit beträgt dann weniger als ein Jahr. Die 5-Jahres-Überle­bensrate beträgt weniger als 20 Prozent.

Der Tumor wird vermutlich durch ein Virus, das Merkelzell-Polyomavirus, verursacht. Wichtige Kofaktoren sind eine UV-Exposition und eine Immunsuppression: Der Tumor tritt vor allem im Kopf/Halsbereich und an den Extremitäten auf und ist bei Organ­transplantierten oder HIV-Patienten häufiger als bei anderen Menschen. Die „Immunabhängigkeit“ macht das Merkelzellkarzinom zum Kandidaten für eine Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren, die die körpereigene Immunantwort gegen den Tumor verstärken.

Zu diesen Wirkstoffen gehört Avelumab. Der monoklonale Antikörper bindet auf den Krebszellen am Liganden PD-L1 (Programmed death-ligand 1), mit dem sich die Krebszellen vor einem Angriff der zytotoxischen T-Zellen schützen. Der Hersteller lässt Avelumab derzeit bei mehr als 15 Krebsarten untersuchen. Das Merkelzellkarzinom ist der erste Tumor, bei dem das Mittel in den USA (und vermutlich demnächst wohl auch in Europa) zugelassen ist.

Die Zulassung erfolgte auf der Basis einer Phase 2-Studie, an der 88 Patienten mit metastasiertem Merkelzellkarzinom teilgenommen hatten, bei denen wenigstens eine Chemotherapie versagt hatte. Unter der Therapie mit Avelumab erzielten 28 Patienten (31,8 Prozent) eine Remission, darunter acht vollständige und 20 Teilremissionen (Lancet Oncology 2016; 17: 1374-1385). Die Remissionen dauerten bei 24 Patienten länger als sechs Monate und bei zwölf Patienten länger als zwölf Monate.

Häufige Nebenwirkungen von Avelumab sind laut FDA Müdigkeit, Schmerzen im Bewegungsapparat, Durchfall, Übelkeit, infusionsbedingte Reaktionen, Hautausschlag, verminderter Appetit sowie periphere Ödeme. Zu den ernsthaften Risiken gehören eine immunvermittelte Pneumonitis, Hepatitis, Colitis, eine Nephritis sowie Endokrinopathien. Darüber hinaus besteht die Gefahr schwerer infusionsbedingter Reaktionen.

Neben Avelumab hat auch Pembrolizumab in einer klinischen Studie eine Wirksamkeit gegen das Merkelzellkarzinom gezeigt. Pembrolizumab bindet am PD-1-Rezeptor von T-Zellen und hat damit einen ähnlichen Wirkungsmechanismus wie Avelumab. In einer Phase 2-Studie, die im letzten Jahr im New England Journal of Medicine  (2016; 374: 2542-2552) veröffentlicht wurde, erzielte Pembrolizumab bei 14 von 25 Patienten eine Remission (darunter vier Vollremissionen), die bei 12 Patienten am Ende der Nachbeobachtung von median 33 Wochen noch anhielten.


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