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Medizin – 15.05.2017

Ösophagusatresie: Magnete schaffen fehlende Verbindung

Silver Spring – Die Verbindung zwischen Speiseröhre und Magen, die bei Säuglingen mit angeborener Ösophagusatresie fehlt, kann ohne Operation mit Hilfe von zwei Magneten hergestellt werden, die nach der Geburt endoskopisch in Magen und Ösophagus platziert werden. Die US-Zulassungsbehörde FDA hat das Verfahren aufgrund der Erfahrungen an wenigen Säuglingen genehmigt.

Etwa eines von 3.000 Kindern wird mit einer Ösophagusatresie geboren. Es handelt sich um eine relativ frühe Entwicklungsstörung, die aus der fehlerhaften Trennung der Speiseröhre von der Trachea in der dritten Schwangerschaftswoche resultiert. Die Kinder werden in der Regel in den ersten Lebenstagen operiert, wobei die chirurgische Korrektur immer häufiger minimal-invasiv durchgeführt wird.

Das sogenannte „Flourish Pediatric Esophageal Atresia Anastomosis“ verspricht eine Korrektur ganz ohne Operation. Die Behandlung erfolgt mit zwei Kathetern, an deren Ende sich jeweils ein Magnet befindet. Den ersten Magneten platzieren die Ärzte über den Mund in den oberen Blindsack des Ösophagus, der zweite Magnet wird perkutan vom Magen aus im unteren Blindsack platziert. Die Magneten nähern sich in den nächsten Tagen und schaffen die fehlende Verbindung. In einer klinischen Studie an 16 Patienten, die Grundlage für die Zulassung war, gelang dies innerhalb von drei bis zehn Tagen (in der Zwischenzeit werden die Säuglinge über eine Magensonde ernährt).

Die Verbindung zwischen Ösophagus und Magen war jedoch bei den meisten Kindern zu eng für eine normale Ernährung: 13 der 16 Kinder entwickelten eine Striktur, die später mittels Ballondilatation, Platzierung eines Stents oder operativ gedehnt werden musste. Diese Komplikation kann auch nach einer chirurgischen Behandlung auftreten.

Das neue Verfahren ist nur bei Ösophagusatresien ohne ösophagotracheale Fistel­bildung möglich. Diese Variante, bei der  eines der beiden Enden der Speiseröhre mit der Luftröhre verbunden ist, tritt häufig auf, was den Einsatz des Flourish-Verfahrens auf einige wenige Kinder beschränken dürfte. Die FDA erlaubt die Anwendung außerdem nur, wenn die Distanz zwischen den beiden Enden des Ösophagus nicht länger als 4 cm ist. Eine weitere Kontraindikation ist ein Alter des Kindes von mehr als einem Jahr oder das Einsetzen der Zahnung. Es würde sonst die Gefahr bestehen, dass die Kinder den Katheter für den oberen Magneten durchbeißen. 

Zu den möglichen Komplikationen gehören laut FDA Gewebereizungen oder Ulzerationen durch den Katheter im Magen sowie Zahnfleischreizungen durch den oberen Katheter. Als Langzeitkomplikation nennt die FDA einen gastro-ösophagealen Reflux (der auch nach der operativen Korrektur auftreten kann).

Die Zulassung erfolgte über eine humanitäre Sondergenehmigung („Humanitarian Device Exemption“), die die FDA bei Erkrankungen gewährt, die bei weniger als 4.000 Patienten pro Jahr auftreten.

© rme/aerzteblatt.de

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